Was hat das Landgericht Aachen entschieden?
Google muss für die Aussagen seiner KI-Antworten einstehen wie für eigene Behauptungen.
Das Landgericht Aachen hat am 24. September 2026 eine einstweilige Verfügung gegen Google erlassen. Öffentlich bekannt wurde die Entscheidung am 18. Oktober 2026.
Auslöser war eine Antwort aus dem Google AI Mode. Die KI hatte einen ehemaligen Chefarzt als verurteilten Sexualstraftäter bezeichnet. Gemeint war tatsächlich eine andere Person, die KI hatte beide verwechselt.
Das Gericht wertete den KI-Text als eigene Äußerung von Google. Google haftet damit für den Inhalt wie für jede andere Behauptung, die es selbst aufstellt. Bei weiteren Verstößen droht ein empfindliches Ordnungsgeld.
Das Landgericht München hatte schon im Juni 2026 in einem Verfahren zweier Verlage mit derselben Begründung entschieden. Zwei Gerichte sehen die Sache also gleich.
Warum betrifft das Urteil auch Handwerksbetriebe?
Die KI-Antwort steht ganz oben in der Suche und wird gelesen, bevor jemand auf Ihre Website klickt.
Wer einen Elektriker, Dachdecker oder Maler sucht, tippt oft direkt den Namen des Betriebs ein. Google zeigt dann bei vielen Suchanfragen zuerst eine KI-Zusammenfassung, die sogenannten AI Overviews, oder bietet den AI Mode an.
Diese Zusammenfassung setzt Google aus Inhalten im Netz zusammen, etwa von Websites, Verzeichnissen oder Presseartikeln. Steht dort etwas Veraltetes oder Mehrdeutiges, kann die KI daraus eine falsche Aussage formen.
Der Kunde liest das Ergebnis und prüft selten nach, woher es stammt. Ein Fehler in der KI-Antwort kostet im schlechtesten Fall den Auftrag, bevor Sie überhaupt davon erfahren.
Welche Fehler kann die KI über einen Betrieb verbreiten?
Verwechslungen, alte Daten und verzerrte Bewertungen sind die typischen Fehlerquellen.
Der Aachener Fall zeigt das Grundmuster: Die KI bringt zwei Personen durcheinander. Bei Handwerksbetrieben sind die folgenden Fehler denkbar, alle mit direkter Wirkung auf Anfragen.
Verwechslung mit einem ähnlich benannten Betrieb
Heißt ein zweiter Betrieb in der Region ähnlich, kann die KI dessen Bewertungen, Adresse oder sogar eine Insolvenzmeldung Ihrem Namen zuordnen. Der Kunde sieht dann einen Betrieb, den es so nicht gibt.
Falsche Öffnungszeiten oder eine alte Adresse
Ein Umzug vor Jahren, eine alte Telefonnummer in einem Branchenverzeichnis: Solche Daten übernimmt die KI, solange sie im Netz auftauchen. Kunden stehen dann vor einer leeren Werkstatt oder erreichen niemanden.
Leistungen, die Sie nicht anbieten
Die KI schreibt zum Beispiel, ein Fliesenleger übernehme auch die Sanitärinstallation oder biete einen Notdienst am Wochenende. Kunden rufen mit falschen Erwartungen an, und die Enttäuschung landet bei Ihnen.
Verzerrte Bewertungen
Aus einer einzelnen Beschwerde kann eine Zusammenfassung wie „Kunden klagen häufig über Verspätungen“ werden. Solche Sätze klingen neutral und wirken deshalb besonders glaubwürdig.
So prüfen Sie, was die Google-KI über Ihren Betrieb sagt
Eine Suche nach dem eigenen Betriebsnamen zeigt sofort, ob die Google-KI etwas Falsches behauptet.
1. Im privaten Fenster suchen
Öffnen Sie ein privates Browserfenster, damit Ihr eigener Suchverlauf das Ergebnis nicht beeinflusst. Suchen Sie nach dem genauen Namen Ihres Betriebs und zusätzlich nach Name plus Ort.
2. Typische Kundenfragen eingeben
Stellen Sie Fragen so, wie Kunden sie stellen: „Hat Malerbetrieb XY samstags geöffnet?“, „Ist Elektro XY zuverlässig?“, „Macht Dachdeckerei XY auch Flachdächer?“. Achten Sie darauf, ob oben eine KI-Übersicht erscheint und was darin steht.
3. Den AI Mode ausprobieren
Wenn Google Ihnen den AI Mode anbietet, stellen Sie dort dieselben Fragen. Die Antworten können von der KI-Übersicht abweichen und müssen getrennt geprüft werden.
4. Fehler mit Screenshot sichern
Halten Sie jede fehlerhafte Antwort per Screenshot fest, mit Datum und Uhrzeit. Notieren Sie die genaue Suchanfrage. Diese Belege brauchen Sie für die Meldung an Google und gegebenenfalls für einen Anwalt.
5. Regelmäßig wiederholen
KI-Antworten ändern sich laufend. Ein fester Termin im Monat genügt, um neue Fehler früh zu bemerken.
Was tun, wenn die KI etwas Falsches über Sie behauptet?
Fehler bei Google melden, die eigenen Angaben im Netz bereinigen und schwere Falschaussagen rechtlich prüfen lassen.
Fehler direkt bei Google melden
Unter den KI-Übersichten bietet Google eine Feedback-Funktion an. Beschreiben Sie dort knapp, welche Aussage falsch ist und was stimmt.
Vorlage zum Anpassen: „Die Antwort nennt für [Betriebsname] Öffnungszeiten am Samstag. Der Betrieb ist samstags geschlossen. Die korrekten Zeiten stehen auf [Website-Adresse] und im Google-Unternehmensprofil.“
Die eigenen Angaben im Netz bereinigen
Die KI arbeitet mit dem, was im Netz steht. Prüfen Sie Ihr Google-Unternehmensprofil, Ihre Website und Ihre Einträge in Branchenverzeichnissen auf alte Adressen, Telefonnummern und Leistungen.
Stehen überall dieselben, aktuellen Angaben, hat die KI weniger widersprüchliches Material, aus dem Fehler entstehen.
Bei Rufschädigung einen Anwalt fragen
Behauptet die KI eine Straftat, eine Insolvenz oder Betrug, geht es um mehr als einen Datenfehler. Nach den Entscheidungen aus Aachen und München gibt es eine Grundlage, gegen Google selbst vorzugehen.
Ein Anwalt für Medien- oder Äußerungsrecht kann einschätzen, ob eine einstweilige Verfügung in Ihrem Fall Aussicht auf Erfolg hat.
Ist das Urteil schon endgültig?
Google hat Berufung angekündigt, die Rechtslage kann sich also noch ändern.
In Aachen handelt es sich um eine einstweilige Verfügung, also eine Eilentscheidung. Google hat angekündigt, in Berufung zu gehen. Ein höheres Gericht kann die Frage anders bewerten.
Zwei Landgerichte sind allerdings unabhängig voneinander zum selben Ergebnis gekommen: KI-generierte Antworten gelten als Äußerungen von Google. Das gibt Betroffenen schon jetzt eine Grundlage.
Am praktischen Vorgehen für Ihren Betrieb ändert der Ausgang des Verfahrens wenig. Falsche Angaben kosten Anfragen, egal wer am Ende haftet.
Was können Sie heute selbst erledigen?
Suchen Sie heute nach Ihrem Betriebsnamen und sichern Sie jede falsche KI-Antwort per Screenshot.
Nehmen Sie sich heute die Suche nach Ihrem eigenen Betriebsnamen vor, zusammen mit zwei oder drei typischen Kundenfragen. Jede falsche Angabe sichern Sie per Screenshot und melden sie über die Feedback-Funktion.
Der einfachste Weg zu einer aktuellen Website mit korrekten Angaben ist die kostenlose Website-Vorschau unten.
- Haftet Google jetzt für jede falsche KI-Antwort?
- Die Landgerichte Aachen und München behandeln KI-Antworten als eigene Äußerungen von Google. Google hat Berufung angekündigt, eine endgültige Klärung durch höhere Gerichte steht noch aus.
- Wie melde ich eine falsche KI-Antwort bei Google?
- Über die Feedback-Funktion unter der KI-Übersicht. Beschreiben Sie kurz, welche Aussage falsch ist und wo die richtige Angabe steht, zum Beispiel auf Ihrer Website oder im Google-Unternehmensprofil.
- Wann lohnt sich der Gang zum Anwalt?
- Wenn die KI etwas Rufschädigendes behauptet, etwa eine Straftat, eine Insolvenz oder Betrug. Ein Anwalt für Medien- oder Äußerungsrecht kann prüfen, ob eine einstweilige Verfügung Aussicht hat.
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